Vulkanasche bedroht Obamas Besuchsprogramm


Obama bei der Ankunft in Jakarta Foto: REUTERS Fotoquelle: spiegel.de

Obama bei der Ankunft in Jakarta Foto: REUTERS Fotoquelle: spiegel.de

Als kleiner Junge ging er in Indonesien zur Schule – nun kehrt er als US-Präsident zurück: Gemeinsam mit Ehefrau Michelle ist Barack Obama in Jakarta eingetroffen. Viel Zeit für Sentimentales bleibt jedoch nicht. Der Ausbruch des Vulkans Merapi könnte ihn früher als geplant zum Aufbruch zwingen.

Jakarta – Zweimal musste der Besuch schon abgesagt werden, nun ist es endlich so weit: US-Präsident Barack Obama ist nach Indonesien gekommen – das Land, in dem er als kleiner Junge vier Jahre lebte. Gemeinsam mit seiner Frau Michelle landete er am Dienstag in der Hauptstadt Jakarta, wo das Ehepaar von einer großen Empfangsdelegation begrüßt wurde.

Auf dem Programm steht ein Treffen mit Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, ein Besuch der größten Moschee des Landes sowie eine Rede, in der sich Obama vor allem an Muslime wenden will. Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Obama lebte von 1967 bis 1971 mit seiner Mutter und dem indonesischen Stiefvater in Jakarta. Seine Mutter schickte ihn im Alter von zehn Jahren zu den Großeltern nach Hawaii.

Zum Auftakt seines Besuchs warb Obama für bessere Beziehungen zur islamischen Welt. Die amerikanischen Bemühungen beschrieb er dabei als ernsthaft und dauerhaft. Der Präsidentenpalast wollte beim Galadinner am Abend Nasi Goreng und Bakso servieren, gebratenen Reis und Hackbällchen – zwei typische indonesische Gerichte, von denen Obama zuvor geschwärmt hatte. „Ich fühle eine große Zuneigung zu den Leuten hier“, sagte er. „Meine Schwester ist Halb- Indonesierin, und meine Mutter hat hier lange Zeit gearbeitet.“

Die Begeisterung für den US-Präsidenten, der in Jakarta früher „Barry“ genannt wurde, ist zuletzt allerdings merklich abgekühlt, weil Obama seinen Besuch zweimal wegen innenpolitischer Verpflichtungen kurzfristig abgesagte. Auch dieses Mal hat er wenig Zeit: So war zunächst unklar, ob Obama trotz des engen Terminplans seine alte Grundschule besuchen würde – auf dem Programm stand die Visite nicht. Dutzende Dritt- und Viertklässler verbrachten den Vormittag damit, ein Lied zu proben, das sie dem US-Präsidenten widmen wollten. Man habe sie im Unklaren gelassen, sagte der enttäuschte Schuldirektor Hasimah.

„Ich habe so lange auf diesen Besuch gewartet“, sagte Katarina Fermina Sinaga, 61, die Obama in der dritten Klasse unterrichtete. „Ich weiß, dass sein Zeitplan eng ist, aber ich hoffe trotzdem, ihn zu treffen.“

Die Chancen sind allerdings gering: Wie das Weiße Haus mitteilte, wird Obamas Abreise am Mittwoch möglicherweise vorgezogen, weil die Asche aus dem Vulkan Merapi den Flugverkehr stören könne. Seine Rede werde Obama auf alle Fälle halten, sagte sein Sprecher Robert Gibbs. Es sei aber möglich, dass der Präsident einige Stunden früher als geplant abfliegen müsse.

Indonesien ist in den vergangenen Jahren zu einem immer wichtigeren Verbündeten Washingtons geworden. Die Anti-Terror-Einheit Abteilung 88 – von den USA und Australien finanziert, ausgerüstet und ausgebildet – hat deutliche Erfolge im Kampf gegen die Islamisten in dem Inselstaat erzielt. Seit den Anschlägen auf Bali 2002 wurden der al-Qaida nahestehende Gruppen zerschlagen und viele ihrer Anführer getötet. Die USA wollen diese Kooperation auf jeden Fall fortführen. Menschenrechtsgruppen werfen den indonesischen Sicherheitskräften allerdings Verstöße gegen die Menschenrechte vor.

Originalbericht: spiegel.de

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