Handelsblatt und der Starbucks-Boykott

Vor ein paar Tagen veröffentlichte das deutsche Handelsblatt einen Artikel zum Thema muslimische Organisationen in Südostasien rufen zum Boykott von Starbucks auf.

05.06.2017 Handelsblatt und der Starbucks-Boykott

Gleichzeitig veröffentlichte man ein Foto eines Starbucks in Jakarta, vor dem eine Menschenmenge zu sehen ist. Nun ich bin ein Starbucks-Fanund mein Weg führt mich fast täglich in irgendein Starbucks in Jakarta und Umgebung. Von einem Boykott habe ich bisher noch nichts gemerkt. Indonesier lieben Kaffee und vor allem Starbucks. In der Regel ist es schwer, für seinen Kaffee einen Sitzplatz bei Starbucks zu bekommen. Anstehen für die Bestellung gehört wohl für jeden Starbucks-Fan dazu.

Foto und die Falschmeldung des Handelsblatts

Handelsblatt und der Starbucks-Boykott / Screenshot Handelsblatt

Handelsblatt und der Starbucks-Boykott / Screenshot Handelsblatt

Auch hier gibt das Handelsblatt eine Falschmeldung heraus. Anschlagsziel war in erster Linie die Polizeistation die sich in der Nähe des Einkaufszentrums, wo sich auch das abgebildete Starbucks befindet.

Auch das Video das den Parkplatz vor dem Einkaufscenter zeigt belegt nachweislich, dass der Anschlag nicht Starbucks gegolten hat.

Die Terroristen verschanzten sich vor dem Starbucks und Burger King auf dem Parkplatz. Der Terroranschlag galt jedoch in erster Linie nicht Starbucks, sondern der Polizeistation.

Grund für den Boykott Aufruf der islamistischen Hardliner

Nun alles, was unislamisch ist, ist in der Regel ein Boykottaufruf jener Hardliner wert. So verschwindet zum Ramadan in vielen Geschäften von Jakarta das Bier aus den Regalen. Nun dazu bedarf es keinen Boykottaufruf. Der Grund, den das Handelsblatt als Boykott Aufruf ausgemacht haben wolle, ist, dass Starbucks die gleichgeschlechtliche Ehe befürwortet.

Ein Boykottaufruf gegen Deutschland, da sie nun das Ehegesetz für alle, durch gewunken haben, habe ich auch noch nicht gehört.

Aceh ist nicht ganz Indonesien

Immer wieder werden Schariaprozeduren, die nur in der Provinz Aceh, ganz im Norden von Indonesien stattfinden, auf ganz Indonesien übertragen. So liest man Titelstorys von “Prügelstrafe für nicht verheiratetes Liebespaar” und verbindet dieses mit Indonesien. Wenn man über die Scharia in Aceh berichtet, sollte man sich auch damit befassen, warum und weshalb diese dort existiert.

Bis zum großen Weihnachtstsunami gab es in der Provinz Aceh einen Bürgerkrieg. Erst durch den Tsunami kamen die Friedensverhandlungen zum Abschluss und Indonesien räumte der Provinz Aceh eine Teilautonomie ein. Aceh führte daraufhin die Scharia ein.

Islamische Hardliner in Indonesien auf den Vormarsch

Insbesondere wird zu diesem Thema immer wieder der Fall des letzten Gouverneurs Ahok genannt, der wegen Gotteslästerung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Das hat nichts mit der Scharia zu tun, sondern hierbei handelt es sich um ein umstrittenes Gesetz in Indonesien. Das Politische Gegner alle Möglichkeiten in einem Wahlkampf ausnutzen dürfte klar sein.

Der radikale islamische Vertreter verlor bei der Gouverneurswahl bereits im ersten Wahlgang haushoch. Die Stichwahl wurde dann zwischen Ahok und einen gemäßigten Muslimen geführt. Nun kann man sich logisch fragen, für wen wohl die Hardliner stimmten. Dennoch war das Wahlergebnis mit 53% der Stimmen sehr knapp, als Ahok verlor.

In Indonesien leben über 90% Muslime! Davon betreibt der größte Anteil jedoch eine gemäßigte Religion. Wer einmal in Jakarta war, der wird wohl kaum den Eindruck gewinnen, sich im größten islamischen Land der Erde aufzuhalten. Natürlich gibt es Gegenden und Regionen, wo die islamische Religion an jeder Ecke antrifft.

Ich persönlich sehe hier ehern, dass die gemäßigten Muslime für ihr freies Leben Einstehen und dazu auch bereit sind zu kämpfen. Man erinnere sich an das Blumenmeer zum Abschied von Ahok.

Indonesier sind leicht zu beeinflussen

Für mich kommt es ehern so vor, dass Indonesier sehr leicht beeinflussbar sind und erst später nachdenken, für was sie hier eigentlich einstehen. Gesetzliche Richtlinien werden kaum beachtet. Dieses ist aber dem fehlenden Vertrauen zu der Polizei und Justiz in Indonesien zuschulden. Selbstjustiz ist immer noch an der Tagesordnung. Und diese wird zum Teil mit brutalen Mitteln, mithilfe eines aufgehetzten Mopps durchgeführt. Dass Bagatellstraftaten hier schon mal in Mord und Totschlag enden können, kann man sich denken.

Handelsblatt schlecht recherchiert

Dem Handelsblatt kann man wohl vorwerfen, hier schlecht recherchiert zu haben. Dass es bei jedem Starbucks einen Sicherheitsmann gibt, ist nichts Neues und wird seit Jahren bereits so gehandhabt. In jedem Mall wird man vor dem Betreten kontrolliert. Vor vielen großen Restaurants befinden sich Sicherheitsleute, die auch unter anderen auf die Fahrzeuge aufpassen. Sicherheit ist wichtig und sollte auch nicht außer Acht gelassen werden.

Dass dieses Sicherheitssystem, was bereits jahrelang besteht und erfolgreich ist, das Handelsblatt als Erklärung für den Boykottaufruf gegen Starbucks herhalten muss, ist wohl ehern beschämend für so ein Blatt. Und wann man diese Informationen auf Malaysia bezieht, sollte man wohl keine Bilder von Jakarta posten.

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