Es gibt Reis, Baby!


Malen, kochen, beten: Bali ist nicht erst seit „Eat Pray Love“, dem Roman von Elizabeth Gilbert, die Insel der Sinnsucher. Fünf Tipps abseits der Trampelpfade.

Die Reisterrassen bei Jatiluwih © REUTERS/Bob Strong Fotoquelle: zeit.de

Die Reisterrassen bei Jatiluwih © REUTERS/Bob Strong Fotoquelle: zeit.de

Die Luft riecht wie ein Topf Milchreis, gewürzt mit einer Prise Jasmin. Ein Hahn kräht die Morgensonne an. Auf der staubigen Dorfstraße gehen Frauen in einer langen Reihe. Sie tragen Opfergaben, Pyramiden aus Blüten und Obst, und bunten Reiskuchen, aus denen Fleischspieße ragen. Ein Moped hupt, der Fahrer drängelt. Auf dem Rücksitz quetschen sich seine Frau und zwei Kinder zwischen ein Paket Palmblätter. Die Frau hält ihren Helm in der Hand und schreit in ihr Handy. Montagmorgen, Alltag auf der Insel der Götter.

„Bali ist wie ein seltener Schmetterling“, sagt Elizabeth Gilbert, „Es ist einer dieser Orte, von denen man nicht erwartet, sie noch irgendwo auf der Welt zu finden – trotzdem ist er da.“ Die Autorin des Bestsellers Eat Pray Love, dessen Verfilmung gerade in den Kinos anläuft, hat vier Monate auf der indonesischen Insel verbracht. Sie hat dort, wie sie schreibt, ihre innere Balance gefunden und ihren Mann José (im Buch Felipe) kennengelernt.

Lange bevor Gilbert die Insel für sich und damit für Tausende ihrer meist weiblichen Fans entdeckte, war Bali bereits ein beliebtes Reiseziel für Künstler, Surfer und Aussteiger. Während sich die Sonnenanbeter und Hippies am Strand von Kuta einrichteten, zog es die Künstler hinauf zu den Reisterrassen an den Hängen der Vulkane. Das kulturelle und spirituelle Leben in den Dörfern im Hinterland ist bis heute vom Massentourismus relativ unberührt geblieben.

„Bali ist eine Enklave des Hinduismus in Indonesien, diesem riesigen muslimischen Land. Dass es all die Jahre überdauert hat, ist Magie“, sagt Gilbert. Geister- und Götterglaube bestimmen tatsächlich den Tagesablauf auf der Insel. Balinesische Geschäftsmänner klagen, dass sie deswegen immer drei Mal mehr Personal brauchen – irgendein Ritual ist immer, die Angestellten sitzen häufiger im Tempel als am Schreibtisch. Selbst in den Dependancen internationaler Hotelketten an den Stränden von Sanur oder auf der Halbinsel Nusa Dua stehen Schreine, vor denen die Hotelangestellten Opferkistchen aus Palmblättern abstellen. Ob jemand dabei zusieht, spielt keine Rolle.

Natürlich ist die Globalisierung auch auf Bali sichtbar. Doch selbst Starbucks- und McDonalds-Filialen ändern nichts an der Eigentümlichkeit der Insel. „Die Balinesen sind so fest verwurzelt in ihrer Kultur und ihrem Glauben, dass man keine Angst haben muss, als Tourist zu viel Westen einzuschleppen – die Balinesen bedauern einen eher, weil man keiner von ihnen ist.“

Wer als Gast verstehen will, was es bedeutet, Balinese zu sein, der muss sich ein wenig abseits der touristischen Zentren bewegen. ZEIT ONLINE gibt fünf Tipps für einen Urlaub auf der Insel der Götter.

1. Tipp: Yoga über dem Wasserfall

Wer auf Bali Yogastunden nehmen möchte, findet in nahezu allen größeren Orten Schulen und Lehrer. Die meisten davon haben sich jedoch im Städtchen Ubud angesiedelt. Ubud war früher ein verschlafenes Künstlerdorf in den Reisfeldern des Hinterlandes. Mittlerweile ist es eine esoterische Kopie Kutas, ohne Strand und Surfer, dafür mit Bioläden und Meditationsshops.

Das Hotel Santi Mandala liegt direkt am Fluss © Jessica Braun Fotoquelle:zeit.de

Das Hotel Santi Mandala liegt direkt am Fluss © Jessica Braun Fotoquelle:zeit.de

Wer auf Bali Yogastunden nehmen möchte, findet in nahezu allen größeren Orten Schulen und Lehrer. Die meisten davon haben sich jedoch im Städtchen Ubud angesiedelt. Ubud war früher ein verschlafenes Künstlerdorf in den Reisfeldern des Hinterlandes. Mittlerweile ist es eine esoterische Kopie Kutas, ohne Strand und Surfer, dafür mit Bioläden und Meditationsshops.

Unter Ubuds vielen Yoga-Angeboten gibt es eines mit sehr persönlichem Charakter: Etwa 15 Minuten Fahrtzeit außerhalb, am Rande eines Dorfes, liegt das Hotel Santi Mandala. Eine Brücke verbindet die im balinesischen Stil errichteten Bungalows. Sie sind entlang der Ufer eines Flusses gebaut, wo sich auch der Dorfalltag abspielt: Wäsche wird gewaschen, Kinder gebadet. Die Männer angeln. Morgens radeln die Kinder am Frühstücksraum vorbei zur Schule. Die Yogastunden finden ebenfalls am Fluss statt, der Lehrer stammt aus dem Dorf. Oft nehmen auch die Dorfbewohner und Hotelangestellten teil. Man sitzt in einer großen Gruppe oberhalb einer Schlucht, ein Wasserfall stürzt über die Felsen. Der Lehrer versucht, einem das Rückrat zu formen wie Knetmasse, es ist ungeheuer heiß und anstrengend. Hinterher ist man zufrieden wie Buddha.

Tipp 2: Zu Besuch im Palast

Das Kostüm der Barongtänzer © Jessica Braun Fotoquelle: zeit.de

Das Kostüm der Barongtänzer © Jessica Braun Fotoquelle: zeit.de

Wenn es Nacht wird in Kerambitan, also gegen sechs Uhr abends, dann huschen Diener entlang der Palastmauern und zünden die Fackeln an. Auf der Dorfstraße springen die Kinder vor Aufregung herum, die alten Leute drängen sich auf dem Bordstein: ein Fest im Haus des Fürsten!

Der Fürst ist der Nachfahre einer der früheren Herrscherdynastien der Insel. In seinem Palast, dem Puri Anyar, finden regelmäßig Empfänge und Zeremonien statt. Nach Voranmeldung dürfen auch Touristen daran teilnehmen. Ein Abend im Palast vermittelt einen Eindruck davon, wie auf Bali Feste im großen Stil gefeiert werden. Das Gamelan-Orchester spielt, die Familie des Fürsten hält Hof, es wird getanzt, in Trance gefallen und gegessen. Auf Wunsch arrangiert der Sohn des Fürsten, Ajoes Ngurah Agung Bagus Erawan, auch eine Trauungszeremonie im balinesischen Stil oder Begegnungen mit Heilern. (Dass man sich bei allen Exkursionen zu Tempeln und Palästen angemessen kleidet – auch als Mann mit Sarong und Schärpe, Arme bedeckt – versteht sich von selbst.)

Tipp 3: Urab und Ingwertee

Die Australierin Janet de Neefe in ihrem Honeymoon Guesthouse © REUTERS/Bob Strong Fotoquelle: zeit.de

Die Australierin Janet de Neefe in ihrem Honeymoon Guesthouse © REUTERS/Bob Strong Fotoquelle: zeit.de

Wer nach Ubud reist, kommt an einem Essen im Casa Luna nicht vorbei. Das Restaurant ist Teil des Imperiums, das sich die Australierin Janet De Neefe mit ihrem balinesischen Mann Ketut Suardana aufgebaut hat, seit sie vor 20 Jahren auf die Insel gekommen ist. Alles fing mit einem B&B und einer Bäckerei in Ubud an. Mittlerweile ist De Neefe berühmt für ihre Kochkünste und das weit über die Insel hinaus.

Sie verbindet balinesische Tradition gekonnt mit westlichen Einflüssen. Ihre Kochkurse sind längst kein Geheimtipp mehr, aber etwas, das einem die Insel von einer ganz eigenen Seite nahe bringt: dafür, dass gemeinsames Essen auf Bali keine große Rolle spielt, ist die Küche überraschend gut. De Neefe geht mit ihren Schülern zum Einkaufen auf den Markt, bevor sie den Herd anschaltet. Während des Schneidens und Rührens lernt man nebenbei auch etwas über Alltag und Kultur.

Wegen ihrer zwei Restaurants, dem Möbelladen, der Bäckerei und den zwei B&Bs wird De Neefe auch „die Königin von Ubud“ genannt. Das Literaturfestival, das sie initiierte, um nach dem Bombenattentat von 2002 wieder Touristen auf die Insel zu locken, gehört vielleicht nicht zu den besten, aber sicher zu den schönsten der Welt. Ihr eigenes Buch Fragrant Rice ist Autobiografie und Kochbuch zugleich.

Tipp 4: Karma gut, alles gut

Der Tempel Tanah Lot bei Sonnenuntergang  © STR/AFP/Getty Images Fotoquelle: zeit.de

Der Tempel Tanah Lot bei Sonnenuntergang © STR/AFP/Getty Images Fotoquelle: zeit.de

Wer krank ist oder dauerhaft verstimmt, der leidet unter Leteh – er ist, nach balinesischem Glauben, unrein. Man könnte auch sagen: nicht mit sich im Reinen. Zum Glück gibt es im Reich der Götter und Geister für jedes Problem das passende Ritual. Ein besonders schönes heißt Melukat und dient der Säuberung des Karmas. Balinesen führen es in regelmäßigen Abständen durch, um sich von Verfehlungen, schlechten Einflüssen und Gedanken zu reinigen.

In der Nähe von Tanah Lot, dem wellenumtosten Tempel an der Südküste, entspringen in einer Bucht mehrere Quellen. Die Quellen unterscheiden sich in ihrer Form und auch in Farbe und Geschmack des austretenden Wassers. Jeder von ihnen wird eine heilende Wirkung zugesprochen: eine hilft zum Beispiel bei Ohrenleiden, eine andere bei Unfruchtbarkeit. Während der von Priestern abgehaltenen Melukat-Zeremonie reinigen sich die Teilnehmer mit dem Quellwasser und trinken davon. Es folgt eine Meditation und eine umfangreiche Segnung mit Gebeten. Die Opfergaben werden erst – so ist es Tradition – dargebracht und dann aufgegessen. Am Ende sind Körper und Geist so frisch und aufgeräumt wie eine neu formatierte Festplatte.

Ein Priester begutachtet die Quellen © Jessica Braun Fotoquelle: zeit.de

Ein Priester begutachtet die Quellen © Jessica Braun Fotoquelle: zeit.de

Dass nur gläubige Hindus in den vollen Genuss der Reinigung kommen, muss einen als Teilnehmer nicht weiter stören. Der Segen gilt auch für Ungläubige. Und wer das Ritual einmal miterlebt hat, anstatt nur aus der Entfernung zu gaffen, weiß, dass es für ein sattes Glücksgefühl reicht.

Tipp 5: Zu Fuß durch die Reisfelder

Ein Junge jagt im Reisfeld nach Heuschrecken © Jessica Braun Fotoquelle zeit.de

Ein Junge jagt im Reisfeld nach Heuschrecken © Jessica Braun Fotoquelle zeit.de

Wer davon träumt, wie Elizabeth Gilbert durch die Reisfelder zu spazieren, findet einige der schönsten Terrassen entlang der Treppen im balinesischen „Tal der Könige“, Gunung Kawi. Leider gibt es hier mehr Souvenirshops als Schreine, was auf Bali schon eine Besonderheit ist. Ein stillerer Pfad durch flachere Felder beginnt in einer Schlucht im Westen von Ubud am Pura Gunung Lebah, auch „Tempel von Campuan“ genannt.

Hier teilt sich der Fluss Uos, dessen Arme als Energieknotenpunkte gelten – nachts wagen sich höchstens noch Hexen hier her – und macht den Tempel zu einer Insel. Ein Pfad führt an der Mauer entlang hinauf zu mit scharfkantigem Gras bewachsenen Feldern (in denen sich balinesische Teenager zum Händchenhalten treffen). Von dort geht es weiter durch einen kleinen Wald. Hat man diesen durchquert, befindet man sich mitten im ländlichen Bali. Rechts und links weiden Ochsen, schnattern Enten in den Reisfeldern. Kein Tourist weit und breit, außer man selbst.

Originalbericht: zeit.de
12 Kommentare zu “Es gibt Reis, Baby!”
  1. jetzt wären mir aber bald die Tränen gekommen, das war wieder mal ein schöne Story, dieser Film oder Roman, rührend, kann nur eine Amifrau schreiben, gut, der schönste satz: kein Touri weit und breit, wird ja laufend angeboten, allerorten, unberührte Landschaft, kommt man dann hin, stolpert man fast über seinen Nachbarn, aber Spass beiseite: bali hatte das Glück nicht das Schicksal zB der Kanarischen Insel zu erleben, ich war das 1x 1968 auf Tenneriffa, ein absoluter Traum, an Landschaft und Gastlcihkeit, abends im Hafen kamen dei Thunfischfischer,es gab hausgemachte Paella usw, oder abends hoch auf den Teide, zum Sonnenuntergang, wo früher weisser Sandstrand war, kein Touri weit und breit, stehn heute Hotels für 50.000 Touris, wie gesagt, dieses Schicksal ist Bali erspart geblieben, unen in Kuta haben sich die Strandbars und Hotels breit gemacht, die, wie ein Balifan mal sauer schrieb, ebenso in Akapulco oder Gran Canaria stehn könnten, leider muss man sagen, naja !

  2. Enklave:
    Eine Enklave (von französisch enclaver ‚umschließen‘) ist ein Staatsgebiet, das vollständig vom Gebiet eines anderen Staates umschlossen ist, also keine Grenze zu einem zweiten Staat und keinen eigenen Zugang zur hohen See hat.

    das trifft auf Bali nicht zu, mich enttäuscht immer ein bischen, wenn grosse Zeitung ihre Wortvokabular nicht beherrschen oder falsch anwenden !
    Das mal so nebenbei.grad so, wie alles ist nun eine Ikone:

    ikóna, „Bild“, „Abbild“; im Gegensatz zu είδωλο, ídolo, „Trugbild“, „Traumbild“ und είδος, ídos, „Urbild“, „Gestalt“, „Art“) sind Heiligenbilder der Ostkirchen, besonders der orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus. Die Bilder sind kirchlich geweiht und haben für die Theologie und Spiritualität der Ostkirchen eine sehr große Bedeutung. Der Zweck der Ikonen ist, Ehrfurcht zu erwecken und eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten zu sein, indirekt auch zwischen dem Betrachter und Gott. Ikonen werden in der Orthodoxen Kirche weder als Kunstgegenstände noch als Dekoration angesehen, sind aber wesentlicher Bestandteil der Byzantinischen Kunst.
    was uns heute als Ikone alles verkauft wiird, ob dass alles so passt!?

  3. I had a really fun time watching Ketut! I went to Bali a few years ago and met a medicine man named Made who also had no teeth! -Tanya Gemarin

  4. PS mich wundert immer, auch auf odr gerade Bali, in welchen Kaschemmen die deutschen Touris zu bedienen lassen, in D würden sie wutentbrannt nach der Polizei schreien, wacklige Tische, Tischdecken mit Branntlöchern, in die Küche darf man garnicht schaun, wird alles hingenommen, man ist ja auf Bali, zuhause wird dann von Bali geschwärmmt und scheisst die Bedienung an, wenn es nicht genau nach den Vorstellungen/ Vorschriften ist!

  5. Na du weist doch Bali ist noch ein Traumziel auch für Pauschaltouries. Schau dir Malle an. Ist das Urlaub was da manchmal abgeht. Aufgrund der Ticketpreise ist Bali noch nicht so überlaufen. Gott Sei Dank auch.

    Das jeder von seinem Urlaub schwärbt und nur die besten Foto´s zeigt ist doch verständlich. Wer möchte schon zugeben neben einer Müllhalde gewohnt zu haben.

  6. tja, Bali ist das Schicksal der Kanaren zB erspart geblieben, als ich 1968 das 1x auf Teneriffa war, war das eine sagenhafte Insel, mit kleinen Buchten und tollen Fischessen usw, am Abend ging man in den Hafen , wenn dei Fischer ankamen ! heute ist jeder Bucht zugenagelt !
    aber egal, natürlcih sollen viele, viele Touris nach Bali fahren, das bringt Geld, und die Bali Playboys freuen sich doch auch, wenn die durchgenalten selbstverwirklichten Frauen landen !

  7. Da haste recht und wo anders geht es ja auch, aber Bali wird auch eines Tages dahinter kommen

  8. kaum, da müsste sich in den Köpfen der Balinesen was ändern, Hotels, die von B oder I geführt werden, sind defenetiv unter dem Standart, hab das bei uns erlebt, ein Hotel X hatte einen Franzosen als Manager, der war jeden Tag zu sehen, dann kam ne Niete und dann ein Indonesier, der verbot erst mal den Verkauf von Salami im Hotelstore, völlige Unkenntnis, dass da überhaupt kein Schweinefleisch drin war, das Mittagsbüffet, das ich öfters besuchte, war in seiner Qualität unter aller Sau, also, vergessen, der Hammer war der Weihnachtsbrunch, der angesagte Puter kam erst nach 3x fragen und dan säbelten die Jungs an dem Ding rum, das war schon Tierqualerei, aber immer lustig und kicher-kicher und das am ersten Haus am Platz !

  9. Ja da gibt es schon manchmal komische Sachen zu erleben. Bei Hotels hatten wir bisher immer Glück auch in Bali. Ich lieb es auch ein wenig familärer kleiner dort wo auch der kleinste Page deinen Vornamen kennt *lach*

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