Spektakulärer Gefängnisausbruch auf Sumatra


Update: 09.05.2017 Jakarta Post bestätigt Erpressung http://www.thejakartapost.com/news/2017/05/08/families-of-pekanbaru-penitentiary-inmates-report-extortion-attempts.html

200 Gefangenen gelang gestern gegen 12:45 Uhr Ortszeit die Flucht aus einem Gefängnis in Sumatra. Dieser spektakulärere Gefängnisausbruch verdeutlicht die Missstände in Haftanstalten in Indonesien.

06.05.2017 Spektakulärer Gefängnisausbruch auf Sumatra

Nach ersten Erkenntnissen beschwerten sich die Gefangenen im Vorfeld über die schlechte Wasserqualität und die Korruption von den Wärtern. Als die Gefängnisleitung zu keinen Gesprächen bereit war, eskalierte die Lage. Wärter wurden überwältigt und das Haupttor gewaltsam geöffnet.

Die Lage scheint völlig unklar zu sein

Spektakulärer Gefängnisausbruch auf Sumatra

Spektakulärer Gefängnisausbruch auf Sumatra

Die eine Seite spricht von 200 Gefangenen, denen die Flucht gelungen sein sollte. Von anderer öffentlicher Seite wurde die Zahl 30 genannt. Herbeigerufene Polizeikräfte konnten bisher circa 120 Häftlinge wieder einfangen. In diesem Gefängnis sollten in erster Linie drogenabhängige Straftäter einsitzen. Die Bevölkerung im Umfeld des Gefängnisses ist beunruhigt und überängstlich und fordert die Polizei auf den Schutz zu verstärken.

Korruption im Gefängnis unumgänglich

Gefängniswärter ziehen den Gefangenen regelrecht das Geld aus den Taschen. Wer Geld hat und zahlt, kann mit einem fast luxuriösen Aufenthalt im Gefängnis rechnen. In den vergangenen Jahren wurden Fälle bekannt, dass Straftäter, die wegen Korruption einsaßen, sich ihre Zelle mit allem Luxus vom Fernseher bis zur Klimaanlage einrichten konnten.

Mein Gefängnisbesuch und meine Erfahrungen

Eine Familie trat vor ein paar Jahren an mich heran, um ihren Sohn, der in Jakarta im Gefängnis einsaß, einmal zu besuchen. Man geht da schon mit einem etwas mulmigen Gefühl hin. Wobei das völlig unbegründet zu sein scheint. Aber wer geht schon freiwillig in ein Gefängnis. Zuerst meldet man sich an und sagt, wem man besuchen möchte. Dann erhält man ein Formular, wo die Daten und ein Foto des Gefangenen oben sind, und füllt dieses aus. Dann muss man kurz warten. Ich gehe davon aus, dass der Gefangene gefragt wird, ob dieser den Besuch empfangen möchte. Dann bekommt man ein Zeichen, das man zum Haupttor gehen darf. Dort öffnete sich immer wieder die Tür und es werden Besucher hineingelassen. Hier erfolgt der hohle Handschlag (Geldübergabe). Wer nicht zahlt, der wartet eben draußen. Der Wärter der immer wieder die Tür schaute mich jedes Mal an und gab mir seine Hand, die ich natürlich herzlich annahm und diese schüttelte. Dann schloss sich die Tür vor meiner Nase, da kein Geld den Eigentümer wechselte. Dieses Spiel wiederholte sich drei Mal, bis ich zurück in die Baracke ging und fragte, warum man mich nicht rein lasse. Dann kam eine Frau mit, die wohl ein paar Pickel mehr auf den Schultern hatte als der Türpförtner, und sprach ein paar kurze Worte und ich war endlich drin im Gefängnis. Eigentlich war es ein kleiner Vorraum, wo man durch einen Schalter seine Ausweispapiere abgeben musste. Ich gab damals nicht meine indonesische ID Karte sondern sicherheitshalber meinen deutschen Pass ab. Man weiß ja nie. Beim ersten Mal wurde ich nicht kontrolliert. Ich konnte so selbst mein Telefon mit hineinnehmen. Bei meinen weiteren Besuchen gab ich das Telefon bereits im Vorfeld mit dem Pass ab.

Körbe und Tüten gingen ohne große Kontrollen durch die zweite Tür. Im Vorfeld wurde natürlich von den Besuchern jedem Anwesenden freundlich der hohle Handschlag gegeben. Man braucht sich also nicht wundern, wenn verbotene Sachen in das Gefängnis gelangen.

Gefangene werden abgezockt

Wer besuch empfangen möchte, braucht Geld im Gefängnis. Sogenannte Guides holen die Gefangenen und bringen dieses in den Besucherraum. Bevor sie den Hauptgefängnisbereich verlassen dürfen, müssen sie eine orange Warnweste mieten. Dazu zahlen sie (damals) 25.000 Rp. Dann sitzt man in dem Raum, wo gleichzeitig mehrere Personen sitzen. Sind die Tische und Stühle belegt, sitzt man auf der Erde. Dieses blieb mir bei meinen drei, oder vier besuchen erspart.

Nach 20 Minuten kommt der Guide an und tippt den Gefangenen auf die Schulter. Dieser gibt daraufhin 20.000 Rp für weitere 20 Minuten ungestörter Unterhaltung.

Nach den Schilderungen des Deutschen wurde er erst in einer Gemeinschaftsbaracke mit 60 anderen Gefangenen untergebracht. Dort besaß man keine Privatsphäre selbst auf dem Klo nicht. Gegen Bezahlung schaffte er es dann, in einem 6 Mann-Raum unterzukommen, die er als reine Luxusunterkunft beschrieb. Eigene Toilette und eine kleine Küche in der Ecke, wo sich die allesamt Ausländer sich ihr Essen selbst kochen.

Vorher kaufte er Obst und Gemüse von einem Küchenmitarbeiter. Dieser brachte ihn für das Geld eine Tüte mit. Geschockt war ich, als er mir die Story erzählte, dass man selbst für die Matratze die in ein Bett gehört, Geld bezahlen muss.

Gleichzeitig gibt es so gut wie keine Arbeit im Gefängnis. Die Insassen werden sich selbst überlassen und es entsteht eine Hierarchie, in der man mit Geld, Gewalt und Drogen auch aufsteigen kann.

Will man arbeiten muss man zahlen

Eine weitere Story, die er mir erzählte lies mich auch richtig schlucken. So gab er freiwillig und kostenlos Englischunterricht in den Räumen der christlichen Kapelle des Gefängnisses. Die Gefängnisleitung wollte dann tatsächlich eine höhere Mietzahlung haben für die 2-3 Stunden, die man sich in der Woche dort trifft. Sie nahmen wohl an, der deutsche Gefangene verdient bei diesem Unterricht Geld.

Für einen Außenstehenen sind diese Geschichten fast nicht vorstellbar. Nicht umsonnst, warnt aber auch die deutsche Botschaft immer wieder indonesische Gesetze zu respektieren und einzuhalten. Auch wenn manche gesetzlichen Vorschriften ein fragwürdiges Rechtsverständnis offenbaren.

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