Nach zehn Jahren das erste Mal Zug gefahren in Indonesien

Nach zehn Jahren das erste Mal Zug gefahren in Indonesien


Ich gebe es zu, ich war mehr als skeptisch, als wir und entschieden mit dem Zug von Jakarta nach Bandung zu fahren. Mein Fazit: Ich war echt positiv überrascht.

Dank eines Unfalls und des damit verbundenen Werkstattaufenthaltes unseres Autos mussten wir unsere Kurztrip nach Bandung wieder einmal gänzlich umplanen.

Wer ein eigenes Auto hat, kennt die Vor- und Nachteile dieses genau. Man kann fahren wann, und wie man will, und ärgert sich über die Staus und die anderen Verkehrsteilnehmer. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als zu wählen, entweder mit dem Zug zu fahren, oder eben den Trip gänzlich zu canceln.

Nun ich bin nicht gerade ein Fan von öffentlichen Verkehrsmitteln in Indonesien!

Das liegt aber größtenteils daran, dass man die Schrotmühlen die als Busse im Nahverkehr unterwegs sind, mehr als gefährlich einstufen kann. Das ist aber auch nicht nur das Aussehen, sondern teilweise auch an der Fahrweise dieser Kleinbusse.

Meine Frau wollte bereits das Hotel informieren, das wir doch nicht anreisen. Trotzdem entschieden wir uns, es einmal mit der indonesischen Bahn zu versuchen. Und ehrlich gesagt mir graute es da schon davor.

In mir breiteten sich Gedanken, wie lange Wartezeiten, dreckige und enge Sitzplätze und ein katastrophaler Service aus. Letztendlich übertraf alles meine Vorstellungen!

Es soll immer anders kommen, wie man denkt!

Los ging unser Abenteuer vom Bahnhof Gambir in Jakarta. Von BSD aus nahmen wir ein GoCar (Uber) und fuhren mit unseren Koffern knapp 1,5 Stunden zu diesem Bahnhof. Meine Frau wollte mir wohl die Fahrt von BSD nach Gambir mit dem Zug ersparen. 😉

Dort bekam ich dann doch den ersten Schock, als ich die Massen sah, die alle auf ihre Züge warteten. Mit Maschinengewehren bewaffnetes Sicherheitspersonal brachte in mir, noch ein weiteres mulmiges Gefühl auf. Aber es ist Weihnachten und da sind die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal deutlich höher als an normalen Tagen.

Das E-Ticket wurde dann am Automaten in ein normales Ticket gewechselt und dann hieß es warten. Da wir ja nicht wussten, wie der Verkehr in Jakarta ist, sind wir bereits 2,5 Stunden vor Abfahrt losgefahren und mussten jetzt 90 Minuten warten. Diese Zeit verbrachten wir bei Starbucks und genossen noch einen Cappuccino mit einem belegten Baguette.

Zwanzig Minuten vor der Abfahrt gingen wir dann zum Bahnsteig. Vordem Betreten musste man sich wie beim Check-in am Flughafen Ausweisen und der Name auf dem Ticket wurde mit der KTP oder der SIM verglichen.

Wow der Zug war pünktlich!!!

Ich wollte es tatsächlich nicht glauben, aber zehn Minuten vor der geplanten Abfahrt fuhr der Zug ins Gleis ein und wir stiegen ein. Auf der Hinfahrt hatte meine Frau extra Priority-Class gebucht, die gegenüber der anderen Klasse doppelt so teuer war. Auf der Rückfahrt sind wir dann mit der normalen Klasse gefahren. 

Die Priority-Class besitzt gepolsterte Stühle und man hat wie im Flugzeug einen eigenen Fernseher. Was ich nicht benötigte, da ich lieber aus dem Fenster schaute. In der anderen Klasse waren es Ledersitze. Die Beinfreiheit war in beiden Klassen mehr als ausreichend. Ich mit meinem 1,80 Meter konnte ohne Probleme die Füße ausstrecken. Eine klappbare Fußstütze sorgt für noch mehr Bequemlichkeit. Jeder Sitz hat einen eigenen klappbaren Tisch wie in einem Flugzeug. In beiden Klassen gibt es Stromanschlüsse für Laptop oder Handyladegeräte.

In beiden Klassen bekommt man frisch bezogene Kissen und die Sitze lassen sich in eine angenehme Liegeposition bringen, ohne den dahintersitzenden zu beeinträchtigen. Der einzige Unterschied zwischen beiden Klassen, außer den Sitzen ist, der Service. Man bekommt in der Priority-Class, wie im Flugzeug kostenlos ein Lunchpaket gereicht. 

Ach ja es gibt doch noch einen gewaltigen Unterschied zwischen beiden Klassen. In der Priority-Class hat man ein westliches WC und in der anderen Klasse nur das bekannte asiatische Loch (Keramik WC). Auch bei der Größe der Toilette gibt es einen Unterschied. Kommt man sich in der Priority-Class fast verloren vor auf der Toilette, ist es in der anderen Klasse schon etwas beengt.

Etwas ominös war dann die Ankunft in Bandung dann doch. Dort musste man tatsächlich durch drei Züge steigen, um den Ausgang zu erreichen. Dieses kannte ich bisher nur von Bootsfahrten, wo Boote an einem Steg nebeneinander festgemacht werden und man dann durch diese an Land steigen muss. Etwas dumm haben wir schon dann am Bahnsteig gestanden, da man auch nicht informiert wurde. Letztendlich geht man dann einfach der Masse hinterher und landet zum Schluss wohlerhalten, zwar etwas außer Atem an seinem Zielbahnhof.

Fazit meiner allerersten Zugfahrt in Indonesien!

Ich persönlich kann dieses für eine dreieinhalbstündige Fahrt empfehlen. Ob man die Priority-Class benötigt, muss jeder selbst wissen, ob er Filme während der Fahrt schauen möchte, oder lieber nur die vorbeifahrende Landschaft genießen möchte. Wer dann auch noch auf eine Sitztoilette verzichten kann, der kann die Hälfte des Fahrpreises für ein Priority-Class sparen.

Bequemer und Staufreier kann man tatsächlich nicht nach Bandung kommen. Wobei man in Bandung wieder auf andere Verkehrsmittel angewiesen ist. GoCar (Uber) funktioniert, ist aber aufgrund der Verkehrslage mit teilweisen längeren Wartezeiten verbunden.



2 Kommentar(e)

  • Simon Senkpiel
    1. Januar 2019 at 09:16

    Ich war im September 2018 mit den Zug von Bandung nach Yogyakarta unterwegs. Der Zug war sehr Sauber werden der Reise wurde der Zug mehr mal gesäubert. Und Pünktlich in Yogyakarta.Kann ich nur empfehlen.

  • Luigi
    21. Mai 2019 at 04:08

    Hallo, ist es erlaubt in den Zügen auf Java Surfboards mitzunehmen? Ich habe gehört, dass das nicht gerade erwünscht ist.

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